„Ein Bürgermeister ist kein Alleinherrscher“

Quelle: NGZ

Lars Christoph tritt für die CDU als Bürgermeisterkandidat bei der Kommunalwahl am 13. September an.Foto: Anja Tinter InterviewKaarst Lars Christoph tritt in der Stadt Kaarst für die CDU als Bürgermeisterkandidat bei der Kommunalwahl am 13. September an. In Interview spricht er über die Themen, die er angehen will und die weiteren Schritte im Wahlkampf. Von Stephan Seeger


Sie haben Ihre Handynummer auf die Wahlplakate gedruckt. Hat Sie schon jemand angerufen?

Lars Christoph Tatsächlich ja. Acht Leute haben schon angerufen. Das war ein mutiger Schritt…

Christoph Das war eine bewusste Entscheidung. Mit der Kampagne „Deine Idee für Kaarst“ möchte ich eine klare Botschaft senden und Themen wie Bürgerbeteiligung und Transparenz in den Vordergrund stellen. Ich bin immer ansprechbar und meine das ernst.


Werden Sie die Bürger öfter in die Entscheidungen mit einbeziehen?

Christoph Ja. Es ist mein Ziel, eine positive Haltungsfrage zu Bürgerbeteiligungen in der Verwaltung zu entwickeln. Aus meiner beruflichen Tätigkeit weiß ich, dass Bürgerbeteiligungen ein wichtiges Instrument sein können, Prozesse zu beschleunigen, wenn sie frühzeitig und vernünftig eingesetzt werden. Das möchte ich im neuen Amt konsequent umsetzen. Gibt es jetzt zu wenig Bürgerbeteiligungen?

Christoph Wir haben es an vielen Stellen schon gemacht, beispielsweise beim Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept in der Stadtmitte. Aber es gibt Beispiele wie das Thema Radweg an der Neusser Straße, wo man es durchaus hätte machen können und sollen. Mit einer Bürgerbeteiligung wäre man sicher früher auf die Probleme gestoßen und hätte nach einer breiter getragenen Lösung suchen können.


Welche Instrumente werden Sie noch bedienen?

Christoph Ich habe beispielsweise vor, zweimal im Jahr in den einzelnen Ortsteilen eine Art Stadtteildialog mit den Bürgern zu veranstalten. So kann ich als Bürgermeister den Menschen in den Ortsteilen Projekte vorstellen, Ideen sammeln und die Handlungen von Rat und Verwaltung transparenter machen. Was haben Sie im Wahlkampf vor?

Christoph Wir machen aktuell Ortsteilspaziergänge, Videochats, Telefonsprechstunden und Infostände in allen Ortsteilen. Wir haben jetzt schon über 30 Ideen zu verschiedenen Themen eingesammelt. Das läuft stark an. Wir haben noch einiges in Vorbereitung, Details werden aber noch nicht verraten.


Mehr Infos zu den Ortsteilspaziergänge finden Sie hier: Hier klicken









Welche Themen wollen Sie angehen?

Christoph Da gibt es mehrere Bereiche. Das Thema Bildung in all seinen Facetten. Von den Schulbauvorhaben, die anstehen, bis hin zur Schulausstattung. Das geht in den Bereich Digitalisierung über, der auch die Verwaltung betrifft. Wenn wir bei der Digitalisierung nicht vorankommen, sind wir kein attraktiver Wirtschaftsstandort. Wenn wir uns die Gewerbegebiete anschauen, müssen wir Themen wie Nachhaltigkeit und Energetik im Blick behalten. Mir liegt auch das Thema Heimat am Herzen. Kaarst mit seinen fünf Ortsteilen ist für uns der Ort, wo wir groß geworden sind und wo wir gerne leben. Ich möchte das gesellschaftliche Netz stärken und die Lebensqualität in den Ortszentren erhalten. Zum Thema Lebensqualität gehört auch, dass sich Familien in Kaarst wohlfühlen und hier günstig wohnen können. Wie wollen Sie das schaffen?

Christoph Wir haben in den letzten Jahren einen Immobilienboom erlebt, der die Preise nach oben getrieben hat. Da kann sich eine Kommune nicht von abkoppeln. Aber sie kann gewisse Sachen machen, um auf die Situation zu reagieren und gegenzusteuern. Wir als CDU haben zwei Programme auf den Weg gebracht: Die Eigenheimförderung und das Programm „Jung kauft Alt“. Außerdem müssen wir Angebote für Senioren schaffen, die ihre Häuser verkaufen und sich kleiner setzen wollen. Diesen Generationswechsel müssen wir fördern. Das Seniorenwohnprojekt am Dreeskamp, das von CDU und FDP initiiert wurde und zeitnah umgesetzt wird, wird einen Beitrag leisten. Bei den Baugebieten, die noch in Planung sind, achten wir auf einen ausgewogenen Mix von Einfamilienhäusern, Eigentumswohnungen, frei finanzierbaren sowie öffentlich geförderten Mietwohnungen.

Wie wollen Sie die Stadt „verjüngen“?

Christoph Es wird ein Generationenwechsel stattfinden. Wir müssen daher weiter für ausreichend Kita- und OGS-Plätze, eine optimale Schulversorgung sowie attraktive Kultur- und Sportangebote sorgen. Wir sollten zudem schauen, wie wir es schaffen, für Menschen im Alter zwischen 15 und 30 attraktiv zu bleiben. Da gehört auch die bauliche Entwicklung der Stadtmitte zu.

Braucht Kaarst eine Mobilitätswende?

Christoph Ja. Wir müssen dem Thema Radverkehr einen höheren Stellenwert einräumen. Wir wollen das Thema ÖPNV entwickeln. Auch der Ausbau der Elektroladesäulen, autonomes Fahren und Car-Sharing-Angebote in den Gewerbegebieten müssen wir angehen. Insgesamt ist für uns als CDU wichtig, das ideologiefrei anzugehen und in einen sachgerechten Ausgleich zu bringen. Das heißt?

Christoph Wir wollen Radverkehr stärken, aber wir müssen auch sehen, dass nicht alle Leute auf das Fahrrad umsteigen. Es gibt in Kaarst viele ältere Menschen, die länger Auto- als Fahrradfahren können. Wir müssen die verschiedenen Möglichkeiten nebeneinander ausbauen. Wir sind in Kaarst ländlicher geprägt, wir sind nicht Köln oder Düsseldorf. Das, was in Großstädten funktioniert, können wir nicht auf Kaarst übertragen.


Wie stehen Sie zu einem möglichen Ausbau der Regiobahn Richtung Westen?

Christoph Ich bin ein bekennender Fan davon, die Regiobahn in Richtung Mönchengladbach und perspektivisch auch nach Venlo auszubauen. Wenn wir die Mobilitätswende ernst nehmen, müssen wir schauen, dass wir Pendlerverkehre von der Straße auf die Schiene verlagern. Das geht nur über einen Ausbau der Infrastruktur.


Wie müssen sich die Gewerbegebiete entwickeln?

Christoph Wir müssen die wirtschaftliche Struktur in unserer Stadt aufrechterhalten, da gehört Bestandspflege dazu. Wir brauchen Flächen für kleine Handwerksbetriebe wie am Platenhof. Natürlich nehmen wir gerne gewerbesteuerstarke Unternehmen, keine Frage. Aber wir wollen ökologisch und sozial nachhaltige Gewerbegebiete. Wie wird sich die Corona-Krise auf die Stadt auswirken?

Christoph Eine große Herausforderung im Zusammenhang mit dem Haushalt 2021 wird darin bestehen, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu berücksichtigen. Im Moment wird viel über staatliche Förderprogramme am Leben gehalten. In 2021 könnte die Arbeitslosigkeit aber deutlich ansteigen, etliche Firmen werden möglicherweise insolvent gehen. Eine aufsuchende Wirtschaftsförderung wird dadurch eine noch größere Bedeutung bekommen.

Wird Sie Ihre Kampfkandidatur gegen Ulrike Nienhaus Stimmen von CDU-Mitgliedern kosten?

Christoph Wie einzelne Leute abstimmen werden, darüber möchte ich nicht spekulieren. Ich kann mit meiner Erfahrung und meinem beruflichen Hintergrund ein gutes Angebot machen, um die Stadt in den kommenden Jahren als Bürgermeister zu führen. Ich bin optimistisch und habe in den letzten Wochen viele positive Rückmeldungen erhalten. Aber es wird ein spannender Wahlkampf werden.

Wer ist Ihr größter Konkurrent bei der Bürgermeister-Wahl?

Christoph Um gewählt zu werden, brauche ich mindestens 50,1 Prozent der Stimmen. Das ist das Ziel, es darf natürlich gerne mehr sein. Wie sich dann die übrigen 49,9 Prozent aufteilen, ist mir egal. Es wird von mir keinen Anti-Wahlkampf gegen andere Kandidaten geben.

Welcher Typ Bürgermeister wäre Lars Christoph? Harter Hund oder Kumpeltyp?

Christoph Einerseits habe ich den Anspruch, die Stadt gestalterisch voranzubringen. Es ist mir aber auch ein Anliegen, für die Bürger da zu sein und Probleme zu lösen. Es muss ein Mix sein. Der Bürgermeister ist auch im Stadtrat kein Alleinherrscher, auch hier muss man für seine Vorschläge Akzeptanz finden. Man muss daher sammeln und führen zugleich. Was wird Ihre erste Amtshandlung sein, wenn Sie gewählt werden sollten?

Christoph Der neue Bürgermeister wird sich politisch zuerst mit dem Haushalt 2021 auseinandersetzen müssen, die Haushaltsberatungen der Fraktionen finden ja bereits im November statt. Als Chef der Verwaltung mit rund 500 Mitarbeitern würde ich in den ersten Monaten intensive Gespräche mit den einzelnen Bereichen führen. Ich werde versuchen, Motivation und Vertrauen zu wecken, um die Stadt in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln. Die angeschobenen Projekte wie die beiden Schul-Neubauten müssen professionell weitergeführt werden. Ein wesentlicher Punkt wird die Gestaltung der Stadtmitte und des Stadtparks sein. Damit werden die Weichen für die nächsten 20 Jahre gestellt.

Wenn Sie die Wahl hätten: Würden Sie lieber Bürgermeister werden oder die CDU-Mehrheit im Rat?

Christoph Ich möchte Bürgermeister werden und würde mich zudem freuen, wenn wir wieder eine starke CDU-Mannschaft im Stadtrat haben. Das hat der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten gut getan. Wichtig wäre mir, dass es belastbare Mehrheiten im Rat gibt. Eine starke Zerfaserung im Rat wie wir sie jetzt haben ist nicht einfach.

Bleiben Sie dabei, dass Sie kürzertreten, wenn Sie die Wahl nicht gewinnen?

Christoph Ich kandidiere nicht für den Stadtrat. Ich setze mich dafür ein, gewählt zu werden und damit Teil der Kommunalpolitik zu bleiben. Wenn es anders kommt, werden andere die Verantwortung übernehmen. Es gibt den Spruch „Die Friedhöfe sind voll von Leuten, die sich für unersetzbar hielten“. Zu dieser Sorte Mensch gehöre ich nicht. Das gilt auch für meine Partei: Die CDU wird eine starke Ratsmannschaft haben und völlig losgelöst von der Person Lars Christoph in der Zukunft gut aufgestellt sein.

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Kontakt

Lars Christoph

Humboldtstraße 12

41564 Kaarst

E-Mail: lars.christoph@cdu-kaarst.de

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